Der Ponce

Ponce Livornesi We kennt schon Livorno. Viele sehen die Stadt einzig und allein als Durchgangsort nach Sardinien oder andere Mittelmeeinseln. Der Hafen bleibt die einzige Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen der Stadt, dass Touristen zu sehen bekommen. Dabei gibt es soviel mehr. Zum Beispiel das überaus köstliche Gericht Cacciucco, das alle Kostbarkeiten des Meeres kongenial vereint. Oder, die mißverständlich benannte Torta di Ceci, die mehr eine Kichererbsenpizza ist, als eine cremige Süßigkeit. Aber die größte kulinarische Attraktion ist der Ponce alla Livornese! Er verwöhnt sowohl den Gaumen als auch den Verstand. Dieses Getränk belebt und löst die Zunge! Es ist schon das dunkle Ambrosia der Verschwörung und Rebellion! Und, vor allem, er schmeckt echt super . . .

Der Ponce Livornesi hat nichts mit dem deutschen Punsch zu tun. Er ist zwar heiß und sehr alkoholhaltig, wird aber nicht nur zur kalten Jahreszeit getrunken. Außerdem ist Wein kein maßgeblicher Bestandteil. Vielmehr wird er aus einem heißem Rum und einer weiteren Flüssigkeit gemixt. Der ponce a vela ist hierbei dem Irish Coffee – jedoch ohne Cream – am ähnlichsten. Er besteht aus einem Caffè und wird mit heißem Rum aufgefüllt. Die bittere Süße wird mit einem Limonensegelchen, das für den Namen verantwortlich zeichnet, vervollständigt. Er wird aus einer Zitrone geschnitten und ist circa 2-3 cm groß.


Weitere Bilder gibts in der (in) Civili Flickr Gruppe.

Der ponce al mandarino ist da etwas mysteriöser. Dort sind in jedem Fall zwei Schnäpse drin. Das Limonenschiffchen schwimmt wieder oben auf! Beim Trinken schlägt einem heißer Alkohol entgegen. Die Dämpfe desinfizieren die Schleimhäute und ermöglichen – zumindest sehr viel später – den perfekten Einsatz der Geruchs- und Geschmackszellen. Doch unklar ist, warum dieser Ponce so durchsichtig ist und woher er seine orange-rötliche Farbe bekommt. Ich vermute, dass hochwertiger Rum mit Mandarinen aufgesetzt wurde und so die Süße und die orangrote Farbe angenommen hat. Doch es sollen eigentlich zwei Schnäpse sein. ISt die zweite dann noch zusätzlich heißer, weißer Rum? Dieser besonders heiße ponce al mandarino ist und bleibt mysteriös, dafür aber umso belebender!

Ponce al Mandarino

Die Geschichte des Ponce ist und bleibt schwierig zu rekonstruieren. Die Ähnlichkeit des dunklen ponce a vela weist darauf hin, dass eventuell englische Seefahrer ihre Schnapskaffemixtur – eventuell Irish Coffee – dabei hatten und versuchten sie den Einheimischen schmackhaft zu machen. Die konnten selbstverständlich mit ekelhaftem Brühkaffee und Sahne nicht soviel anfangen. Außerdem wurde der Whisky höchstwahrscheinlich durch billigen Rum ersetzt und so konnte das Seefahrergebräu verständlicherweise nicht überzeugen.

Um die zahlungswilligen Seemänner nicht ganz zu vergräzen mußten die geschäftstüchtigen und geschmacksverwöhnten Livornesi einen Kompromiß finden. Als erster kam wohl Rodano Civili, Besitzer der legendären Bar Civili in der Nähe des Bahnhofes auf die Idee eine komische Mixtur zusammenzubrauen, die sowohl den hohen Ansprüchen der Livornesi als auch dem sehnsüchtigen Verlangen der Seefahrer nach heimischen Getränken entsprach. Die Cream war zwar weg, der üble Brühkaffee wurde durch Caffè ersetzt und als Reminiszenz an die Seefahrer vervollständigt ein Limonenschiffchen – quasi als Seefahrer Accessoire – das heiße, alkoholhaltige Verdauungsgetränk.

Diese Bar gibt es bis heute. Sie erfreut sich noch immer äußerst großer Beliebtheit. Der Ponce soll dort der Beste sein. Das Ambiente ist es auf jeden Fall. Dort treffen sich Generationen junger und junggebliebener Livornesi und Zugereiste um nach dem Essen einen schönen, warmen Verdauungscaffè mit Schuß in gemütlicher Atmosphäre zu genießen. Der Thekenraum ist mit Wimpeln verschiedener Fußballmannschaft – natürlich bis auf die verhaßten Pisani – dekoriert. In den hinteren Räumen wird Karten gespeilt, gestritten oder einfach nur auf den Fernseher eingeschrien. Ein Besuch der Bar lohnt sich auf jeden Fall!

Übrigens, den Ponce schon am Vormittag oder vor dem Essen zu bestellen, zaubert den Einheimischen leicht ein Lächeln ins Gesicht, denn es entlarvt den Ordernden als Touristen, macht ihn deshalb aber nicht unbedingt lächerlich, sondern eher symphatisch. Den Ponce einfach mal zum Frühstück zu bestellen, bringt bestimmt ’nen schönen Lacher in jeder livorneser Bar. Also, nur zu. Nur nicht vergessen darauf hinzuweisen, daß diese Bestellung nicht ernst gemeint war!

die verschiedenen Ponce


1 Antwort auf “Der Ponce”


  1. 1 amaranthus 03. September 2008 um 18:38 Uhr

    gute !!!!

    FORZA LIVORNO

    amaranthus von Livorno

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