Együtt a harcban! Solidarität mit antifaschistischen Fans in Ungarn!


Die Situation antifaschistischer Fußballfans in Osteuropa ist äußerst schwierig. Nicht nur in Russland ist die Kurve entweder apolitisch oder offen rechtsextrem. In Polen gibt es ebenfalls eine Dominanz neofaschistischer, antisemitischer und nationalchauvinistischer Symbole im Stadion. Aber auch in Ungarn etabliert sich zunehmend eine rechte Hegemonie in der Gesellschaft und im Stadion. In Budapest gibt es dennoch die kleine antifaschistische Fangruppe Ultràs 1993 E.S.M.T.K. des Vereins Erzsébet Budapesti, der in der Nemzeti Bajnokság II, der zweiten ungarischen Liga, spielt.


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In Ungarn gibt es seit Jahren einen wachsenden Trend zum Nationalismus, Antisemitismus und zur antikommunistischen Abgrenzung. Neonazi-Gruppen organisieren sich immer offener und militanter. Die rechtsextreme Partei Jobbik, aus dem Spektrum der neofaschistischen und antikommunistischen Pfeilkreuzler, entschied sich im letzten Jahr dazu eine eigene Miliz aufzustellen. Diese Ungarische Garde soll sich nach Vorbild der Waffen-SS schwarz uniformieren. Mitte März wurden 650 neue Gardemitglieder vereidigt.

Dies war allerdings nicht die einzige Veranstaltung von Neonazis in Budapest. Während am 13. Februar in Dresden die deutschen Revanchisten marschierten, versammelten sich auch in Budapest rechtsextreme Gruppen aus ganz Europa zum Heldengedenken. Unter ihnen waren mehrere Abordnungen deutscher Neonazis.

Der antifaschistische Protest war mit einigen Dutzend Teilnehmer_innen relativ gering, aber sichtbar. Es beteiligten sich auch einige aktive Fangruppen an den Aktivitäten gegen die Neonazis.

Am 10. März trafen sich, wie die Recherche Nord zu berichten weiß, Mitglieder der ungarischen Pax Hungarica zu einer Symphatiekundgebung zu Ehren von Richard Williamson, des antisemistischen Priesters und Bischofs der Pius-Bruderschaft.

Zwar sind rechtsextreme Strukturen noch nicht in die Zivilgesellschaft eingedrungen. Allerdings wehrt diese sich auch nicht besonders gegen neofaschistische Bestrebungen, sondern verharmlost diese und stellt sich ansonsten offen gegen antifaschistischen, linken Protest.

Die Entwicklung muß aber als besorgniserregend angesehen werden. Die übliche musikalische Subkultur, durch das Blood & Honour, wird durch Nazisekten aber auch durch eine sich zunehmend militarisierende Freie Szene ergänzt. Außerdem orientieren sich immer mehr junge Rocker, die sich komischerweise Skins nennen, nach rechts. Das Bonehead-Problem gibt es allerdings schon seit den 90iger Jahren.

Die Aufwertung rechtsextremer Einflüße auf die Jugendkultur begann im Stadion. Die meisten Fangruppen sind rechtsradikal. Das heißt, sie tolerieren im harmlosesten Fall rechte Positionen oder, im schlimmsten Fall, agieren offen neofaschistisch. Der breite Konsens ist national großungarisch, antisemitisch, xenophob und durchgehend antikommunistisch. Letzteres meint, aufgrund der persönlichen Erfahrung einer sogenannter kommunistischen Diktatur die Ablehnung jedes positiven Bezugs auf linke, revolutionäre Alternativen. Trotz der erstaunlichen Organisationserfolge haben es die Neonazis aber nicht geschafft das Stadion als Rekrutierungsfeld zu nutzen.

Antisemitismus ist, wie auch in anderen osteuropäischen Ländern, ein enormes Problem. Das Klischee eines imaginierten, verschwörerischen Finanzjudentums funktioniert auch in Ungarn. Der als Judenklub geltende Fußballverein MTK Budapest leidet darunter am meisten, was aber die Fanszene nicht davon abhält sich selbst als ganz besonders großungarisch und neofaschistisch zu konstruieren.

In Osteuropa kommt zum westlichen Antisemitismus, neben christlichem Antijudaismus, eine spezifische Form – der sogennannte Zydo-Komuna – hinzu, welche die kommunistischen Experimente als sowjetische Besatzung und als jüdische Zersetzung der jeweiligen Nation phantasieren und so erfolgreich aus dem eigenen Volkskörper ausgrenzen können.

Die linke Szene in Ungarn ist sehr klein. Explizit linke Kurven gibt es wenige. Die Ultràs ’93 sind deshalb eine große Ausnahme, die es zu unterstützen lohnt. Im letzten Jahr feierten sie ihr 15jähriges Bestehen. Am 8. März diesen Jahres präsentierten sie, zum Beginn der Rückrunde der Saison 2008/09, ihren wirklich hübschen Jubiläumsschal. Hier ist das Schmuckstück.


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Aber kommen wir zur Geschichte der E.S.M.T.K.-Ultràs. Die U’93 haben sich am 31. Oktober 1993 beim Derby gegen ZTE formiert. Ihr Verein war in dieser Saison in die Zweite Liga aufgestiegen. Die Fans standen in der Südkurve. In der ersten Aufstiegssaison war der support recht eindrucksvoll. Leider war schon 1994 Schluß. Aufgrund verschiedener Ansichten und Militärdienst verließen viele die Südkurve. Nur eine kleine Gruppe hielt durch.

In den nächsten Jahren gab es regen Kontakt zu anderen Fangruppen. 1996 war ein erneuter Höhepunkt im support der Mannschaft. Es bildete sich eine neue Gruppe, die Red Fanatics. Zwei Jahre lang kamen sie zu den Spielen von Erzsébet, verließen 1998 aber die Kurve. Die Gruppe blieb allerding bestehen und konnte 2001 reaktiviert werden. Bis heute unterstützen sie die U’93 bei Choreographien und Pyroshows.

Eine zweite wichtige Gruppe ist die Sezione Brigate. Sie setzt sich aus ehemaligen Fans des seit 1999 sehr eng befreundeten Ultrà Front 1998 des Vereins SzAC Budapest zusammen. Als sich im Jahr 2.000 die UF’98 splittete, ging ein nicht unbeträchtlicher Teil zu den Erzsébet Ultràs. Sie behielten allerdings ihren eigenen Stil und präsentierten diesen durch ihr Brigate Transpi. Ansonsten gibt es keine Abgrenzung zu den UE’93. Die Brigate arbeitet zu 100% mit ihnen zusammen.

Zur Zeit ist der Kontakt der U’93 Ultràs zu anderen Fangruppen abgebrochen. Lediglich zu den Ultràs Ikarus vom Verein Ikarus BSE, der wohl kurz vor der Pleite steht, pflegen die Budapester freundschaftliche Beziehungen.


Hier gibts noch ein nettes Video


1 Antwort auf “Együtt a harcban! Solidarität mit antifaschistischen Fans in Ungarn!”


  1. 1 Antifa! We are in the same game! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 23. März 2009 um 11:46 Uhr
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