„Il fascismo non sia tabù“

Abbiati Fascista Am 27. September erschien ein Interview mit Christian Abbiati, dem Keeper des AC Milan, mit dem Magazin Sportweek der Gazzetta dello Sport, in dem er sich selbst als Faschisten bezeichnet und das Ende der Tabuisierung des Faschismus fordert.

Im Interview offenbarte Abbiati, daß er ein Mann der Rechten sei und bei den letzten Wahlen Rechts gewählt habe. Der Faschismus ist für ihn kein Tabu, ganz im Gegenteil.


    Ich schäme mich nicht, meine politischen Überzeugungen zu zeigen. Ich teile mit dem Faschismus Ideale wie das Vaterland und die Werte der katholischen Religion. Vom Faschismus verwerfe ich die Rassengesetzte, die Allianz mit Hitler und den Einzug in den Krieg. Ich bewundere die Fähigkeit des Faschismus, den Bürgern Ordnung und Sicherheit zu garantieren.

In Mailand fühlt er sich äußerst wohl. Die Stadt ist seine Heimat. Kein Wunder! In einer Stadt, in der die Lega Nord ihre Zentrale hat, in der inoffiziellen Hauptstadt des Padaniens, in der Stadt, wo Migranten gejagt und erschlagen werden, fühlt sich ein Faschist durchaus willkommen und angenommen. Da fällt die Wahl sehr leicht sich dem Berlusconi Club AC Milan anzuschließen und sich auch im Verein wohl zu fühlen.

Abbiati Bastardo

In Zürich holte sich Abbiati prompt die Reaktion für seine revanchistischen Sprüche ab. Noch vor dem Uefa-Cup Spiel am 2. Oktober im Letzigrund-Stadion zeigten die linken Ultràs der FCZ, was sie vom nun mehr offen faschistischen Torwart Abbiati halten. Sie störten das Milan-Training am 1. Oktober, indem sie ein Transparent mit der Aufschrift Zürich erinnert sich an die Opfer des Faschismus. Abbiati Bastardo aufhängten. Da die Öffentlichkeit vom Training ausgeschlossen war, wurde diese Aktion sofort als Störung gewertet und Stewards versuchten, die Jugendlichen zu vertreiben. Diese waren schnell genug und liefen davon. Abbiati zeigte sich unbeeindruckt vom Transparent und meinte, daß ihn diese Geschichte minimal berührt. Leider wurde das Transparent relativ schnell entfernt.

Die Aktion war trotzdem sehr gut und vor allem nötig. Eine Distanzierung oder irgend eine andere Äußerung der Brigate Rossonere zu ihrem Torwart ist mir nicht bekannt. Auch wenn Politik – nach Ultrà Konsens in Italien – im Stadion nichts zu suchen haben soll, wäre eine Positionierung zu einem offenen Faschisten doch ein deutliches Zeichen insbesondere aufgrund der gegenwärtigen rassistischen und fremdenfeindlichen Atmosphäre in ganz Italien. Eine Unterlassung kann deshalb nur als Zustimmung gewertet werden.

In dieser Hinsicht bin ich von der Fanszene Milans sehr enttäuscht. Das die Vereinsführung mit Berlusconi, der den Lazio-Faschisten di Canio als guten Kerl betrachtet, sich nicht eindeutig von Abbiati distanziert, ist nicht sonderlich verwunderlich. Das Paolo Maldini, der Mann, der Milan war, der große Capitano sich dazu nicht äußert, ist ebenfalls keine Überraschung. Aber die Fans sollten schon reagieren.


12 Antworten auf “„Il fascismo non sia tabù“”


  1. 1 endi 07. Oktober 2008 um 15:25 Uhr

    ähem, so gerne ich hier mitlese, in diesem text sind 2 ganz dicke klopper drinne.

    1. kam die aktion in zürich natürlich von den guten des FCZ, die sich eher ungerne mit den hoppers verwechseln lassen….

    2. „Auch wenn Politik – nach Ultrà Konsens in Italien – im Stadion nichts zu suchen haben soll“ das halte ich für ein gerücht. was soll das denn für ein konsens sein? nicht umsonst gibt es in italien unzählige offen links- oder rechtsextremistische gruppen.

    und dass da von mailänder ultra seite nichts kommt war relativ klar. haben die ehemals tonangebenden linken in der kurve heute nicht mehr viel zu sagen.

  2. 2 Chip & Chap 07. Oktober 2008 um 15:42 Uhr

    UPPS…

    ok, faupaux geändert! danke. war mir schon nich so recht sicher. hab von der rivalität gehört. jetzt versteh ich auch, warum das ex-grashoppers stadion gekapert wurde. hm.. kenn mich in der schweizer szene eben so schlecht aus! wird schon ;-)

  3. 3 Jurij 07. Oktober 2008 um 16:30 Uhr

    einen konsens zwischen den ultrà gruppen gibt es wahrscheinlich tatsächlich nicht. gerade weil es eindeutig politische, organisierte fangruppen gibt. die sind aber alle mächtig unter beschuß. die nazis gelten, wenn sie nicht stark genug sind oder ökonomisch wichtig, als kriminelle vereinigungen. den linken gruppen wird terrorismus vorgeworfen, weshalb sie als terroristische vereinigungen massiv verfolgt werden. in wieweit da noch von aktivität gesprochen werden kann, ist problematisch.

    die mailänder scheinen sich seit den ende 90igern anderen lukrativere betätigungsfelder zugelegt zu haben. ich dachte nur lange, sie hätten – quasi aus ihrer tradition – wenigstens ein bißchen immunität gegen faschismus behalten. dem scheint nicht so…

  4. 4 MisterAltravita 09. Oktober 2008 um 9:42 Uhr

    Ich muss endi in allen Punkten recht geben.

    Nichts da, Tradition. Ich habe überhaupt keine – offizielle oder inoffizielle – Stellungnahme zu Abbiatis Äußerungen gehört. Von der Vereinsführung ist wohl keine Stellungnahme gegen den Koalitionspartner zu erwarten, von den organisierten Fans und der Mannschaft wohl auch nicht. Das Klima in Italien ist eben so, dass man sich wie Abbiati (der ist ja beileibe nicht der einzige in der derzeitigen Serie A) präsentieren kann und eine Mehrheit hinter sich weiß – sei es, dass seine Haltung unterstützt wird, sei es, dass sich die Aufregung über das Thema beim Normalfan in Grenzen hält. In der derzeitigen Situation muss man es wohl schon positiv bewerten, dass die Curva den Mann nicht mit erhobenem Arm begrüsst.

    Es gibt übrigens keinen allgemeingültigen „Ultrà-Konsens“ gegen Politik in den Kurven, den gibt es nur selbstgewählt in einigen Stadien, darunter die Curva Sud in Mailand. Der bezieht sich aber auch nur auf die offene Darstellung politischer Symbole und Haltungen, heisst also nicht, dass politische Überzeugungen am Stadiontor abzugeben sind. Daneben gibt es eben auch sehr viele offen rechte und (sehr wenige) offen linke Kurven.

  5. 5 MisterAltravita 09. Oktober 2008 um 10:45 Uhr
  6. 6 Chip & Chap 09. Oktober 2008 um 11:28 Uhr

    also, im artikel, oder ebsser, im kommentar ging es darum, meiner enttäuschung ausdruck zu verleihen, daß es keine klare stellungnahme gegen diesen typen gibt, der sich offesiv ‚faschist‘ nennt. für mich ist es schon ein unterschied, ob jemand ‚rechts denkt‘ oder ob er sich offen & provokant ‚faschist‘ nennt. halb italien hat rechts gewählt. bestimmt beinah ganz italien – außer livorno natürlich ;-) – will sicherheit. die heimat ist, glaub ich, allen wichtig. und katholisch sind ebenfalls viele. aber kaum jemand würde sagen er wäre faschist. die meisten sagen sie sind italiener, oder eben mailänder. aber faschist…

    ich kenn mich in mailand nich so gut aus. die infos tröpfeln da eher nach deutschland und sehr differenziert sind sie eben nicht. offensichtlich gab es doch diskussionen in der fanszene. vielleicht liegt es auch daran, daß als protesttaktik ‚boykott‘ gewählt wird. das mag ökonomisch interessant sein. in diesem fall wäre schweigen protest. doch denke ich, daß manchmal auch die fresse aufgerißen werden muß. und vor allem gegen seine mannschaft. denn der verein, der so etwas unkommentiert, und vor allem unsanktioniert, stehen läßt, könnte nicht meiner sein. wenn dann auch noch die kurve schweigt, wäre es nicht mehr meine kurve.

    hierbei empfinde ich alles gerede, daß es nun mal so ist als reine resignation. so etwas mag ich nicht. ich gebe ungern auf. am samstag werden hoffentlich tausende in rom für ein anderes italien und für eine andere politik demonstrieren. vielleicht gibt es in den kurven tapeten / choreos gegen rassismus, antisemitismus und vor allem faschismus im stadion.

    dieses italien, daß sich nicht klar gegen diesen fschodreck positionieren kann mag ich nicht.

    ps. im übrigen gibts diesselbe diskussion auch in deutschland. sie wird in den eigenen fanszenen geführt & zeitigt die gründung antirassistischer initiativen. denn die kurve soll eben nicht den faschos überlasssen werden…

  7. 7 mobster 14. Oktober 2008 um 19:33 Uhr

    Was sind die Faschisten von heute denn bitte für Heuchler:

    Vom Faschismus verwerfe ich die Rassengesetze, die Allianz mit Hitler und den Einzug in den Krieg.

    Was ist denn das Leben für einen Faschisten, wenn nicht ein ewiger Kampf (der Völker/Krieger), warum sonst ein „boia chi molla“ („Tod den Feiglingen“) als Leitspruch?! – Abbiati ist einfach ein faschistischer Lügner.

    Aber schön zu lesen, dass die Commandos Tigre wieder von sich hören lassen (wenn ich’s richtig gelesen habe)! Wozu auch einen Burgfrieden mit den (schwarz-blauen) Faschisten in der eigenen Stadt, der ja doch den Faschisten die Gelegenheit gibt sich weiter mit Gewalt auszubreiten. (Siehe etwa das Cuore Nero). Wenn sich schon die italienische Linke weigert (?) aktiv gegen den krassen faschistischen Terror und Morde vorzugehen, gelingt es ja vielleicht den verblieben linken Ultras ein bisschen Resistenza zu organisieren… *wunschträum*

  8. 8 Jurij 14. Oktober 2008 um 22:07 Uhr

    bleibt wohl echt nur ein wunschtraum… leider wird wohl auch in den fußballstadion wenig aus der resistenza. die resistenza ultràs sind – soweit ich weiß – inaktiv & haben echt probleme sich zu organisieren.

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