Dynamos inszenieren sich als Opfer von Polizeigewalt!

Die breite Solidaritätswelle mit den Fans des BFC Dynamo, die zur Zeit durch die Ultrà Szene und die Blogosphere rollt, sollte äußerst kritisch begleitet werden. Aufhänger ist die Prügelorgie einer Einsatzhundertschaft der Berliner Polizei, die am vergangenen Sonntag ’ne Menge Tränengas und Prügel verteilte. Der neue Blog polizeigewalt beschäftigt sich außschließlich mit diesem Thema. Auffällig ist aber, daß die Ereigniße einseitig dargestellt und wichtige Hintergrundinformationen unterschlagen werden.

Das die staatlichen Sicherheitsorgane Fußballfans jeder Coleur überhaupt nicht leiden können, ist nichts sonderlich neues. Jede_r regelmäßge Besucher_in von Fußballspielen kann zum Thema Polizeiwillkür, brutalen Übergriffen und Kollektivbestrafung einiges erzählen. Diesbezüglich unterscheiden sich die Übergriffe im Mommsenstadion nicht von ähnlichen Vorkommnißen in anderen Stadion.

Jedoch sollten kritische Beobachter_innen beim BFC Dynamo und seinem Anhang etwas genauer hinschauen. Insbesondere das Derby zwischen Tennis Borussia und den Dynamos aus Hohenschönhausen zieht auf Seiten des BFC eine äußerst widerliche Klientel an. Kommen zu den anderen Oberligaspielen circa 600-700 treue Dynamofans – unter denen es sogar 20-30 Antirasssist_innen geben soll – so sind es, wenn es gegen TeBe geht, locker das doppelte. Weil TeBe als reicher, ‚jüdischer‘, ’schwuler‘ Westklub gilt, wird er zum ganz besonderen Magneten für alles, was Symphatien nach rechts hat.

Die Fanszene des BFC Dynamo ist seit den 80iger Jahren Teil rechtsextremer Strukturen in Berlin Lichtenberg. Bis 2006 gingen die Verbindungen von Nazis bis in den Verein. Dies ist zwar heute nicht mehr so, jedoch blieben mit dem Fanbeauftragten Rainer Lüdtke rechtsoffene Fanstrukturen bis heute aktiv. Mit Peter Meyer, dem gegenwärtigen Finanzchef bei Dynamo, der wegen Verwenden von Zeichen verfassungsfeindlicher Organisationen (§86a) vorbestraft ist und 2004 an einem Platzsturm beteiligt war, dominieren weiterhin Strukturen den Verein, die mit Gewalt und rechten Strukturen wenig Probleme haben. So verhandelte Meyer, was er zwar immer wieder bestritt, selbst mit Thor Steinar über die Vermarktungsrechte für die Merchandiseartikel des BFC Dynamo.

Rainer Lüdtke hat ebenfalls wenig Probleme mit der Naziklamottenmarke. Am vergangenen Sonntag wollte er aufgrund des Verbots von TS im Mommsenstadion eine Solichoreo organisieren und durchführen, die er aber in letzter Minute dann doch absagte. Dieser Thor Steinar Fanclub sollte weiße Overalls mit der Aufschrift Timo Steinert tragen. Am Ende fiel der Namenszug weg, die Overalls jedoch blieben.

Die Symphatie des BFC, seines Fanbeauftragten und vieler seiner Fans für die Naziklamotte Thor Steinar wird im Blog polizeigewalt zwar erwähnt, aber mit einem vermeintlichen Demokratieverständnis der Dynamofans verharmlost. Ich möchte mal sehen, wie diese Demokraten_innen reagieren, wenn Gäste mit Mobaction oder in Punkfrisur mit einem fetten A auf der Lederjacke sich in ihre Kurve verirren würden. Außerdem brauch ich hier wohl niemandem erzählen, was von der Bewegung, für die Bewegung bedeutet und welche menschenverachtende Ideologie damit propagiert wird.

Eine weitere falsche Darstellung, die in Dynamokreisen forciert wurde, ist, daß Team Green grundlos einschritt. Die eigenen Ordner wären nicht bedrängt worden, heißt es vom Verein und von den Dynamo Fans. Dies ist aber nicht richtig! Nachdem der Böller geworfen wurde, der Zaunkönig sich in schwindelerregende Höhen aufschwang und unsanft zurückgeholt wurde, kam es zu sichtbaren (!) Rangeleien zwischen Dynamofans und den eigenen Ordnern. Die Situation war keineswegs geklärt! Und es gab Übergriffe auf Ordner, die sich daraufhin zunächst aus dem Block zurückzogen. Mag sein, daß die Prügelhundertschaft dies mißverstand und meinte, jetzt dürften sie mal ran. Die Rangeleien gab es aber!

Die Reaktion der BFC Kurve auf die Intervention der uniformierten Hooligans muß äußerst erschreckend gewesen sein. Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verband (BFV), sagte gegenüber der Berliner Zeitung, daß die Beamten mit allem, was zur Hand war, beworfen wurden und die Spirale der Gewalt in Gang geriet, ohne ein Bemühen der BFC-Ordner einzugreifen.

D Brutalität und die exzessive Gewalt eskalierte nun vollends. Team Green prügelte auf alles ein, was sich bewegte und verteilte Tränengas unmotiviert gegen alle. Die Reaktion der Dynamo-Fans war genauso entfesselt, wie die der Polizei. Senfbottiche, Stühle, Bierbecher, Latten, Holz und Kartons flogen durch die Luft. Ein Dixie-Klo wurde umgeworfen. Beide Gruppen interessierte die Unversehrtheit von Unbeteiligten, Frauen und Kindern in keinster Weise.

Deshalb ist es umso widerlicher, wenn sich nun vermeintliche friedliche Dynamofans als Opfer von Polizeigewalt inszenieren. Sie haben für diese den Anlaß geboten und sich tatkräftig – zumindest am Anfang – an der Prügelei beteiligt. Womöglich waren sie über die grenzenlose Gewalt der uniformierten Hooligans geschockt und vor allem standen sie ihr ohnmächtig und schutzlos gegenüber. Nur ganz so unschuldig waren sie nicht! Unschuldig waren die Kinder, Frauen, die zahlreichen, treuen Dynamofans, denen weder von der Polizei, noch von den Naziholls des BFC die Chance gegeben wurde sich aus der Gefahrenzone zu bewegen!

Besonders widerlich ist aber, wie die Berichterstattung des Blogs polizeigewalt sich selbst outet und sich offen auf Seiten von Nazis stellt.


Dass dieser Polizeiabschnitt nicht das erste mal einen Fanblock räumen wollte ist hinreichend bekannt. So verdroschen die Polizisten beim Pokalspiel Tennis Borussia gegen Energie Cottbus auch mehrere Fans.

Die Polizei griff damals, viel zu spät gegen Nazihools von Energie Cottbus, Union und Viktoria Frankfurt ein, welche quasi in einer gemeinsamen, nationalen Aktion die anwesenden TeBe Fans mit antisemistischen und homophoben Parolen beschimpfte und später versuchte den Heimblock zu stürmen. Das dies den Schreiber des Beitrags bei polizeigewalt offenbar wenig interessiert, mag nicht sonderlich verwunderrn. Denn auch beim Derby am 7. Dezember im Mommsenstadion wurde der eigenen Homophobie im Gästeblock bereitwillig Raum geboten.

Einfach um den Zusammenhang zwischen dem 6. Dezember in Berlin Lichtenberg und dem 7. Dezember im Mommsenstadion herzustellen, verweise ich auf einen Kameraden im BFC Block, welcher der Berliner Polizei dazu gratuliert, daß sie beim Spiel vollenden, was sie am Tag zuvor verpaßt hätten. Mensch beachte die klatschende Person circa bei 1:15 Minuten.



via aka


8 Antworten auf “Dynamos inszenieren sich als Opfer von Polizeigewalt!”


  1. 1 oh mann 15. Dezember 2008 um 0:43 Uhr

    Beide Gruppen interessierte die Unversehrtheit von Unbeteiligten, Frauen und Kindern in keinster Weise.

    schlimm, die vergreifen sich am schwachen Geschlecht, oder wie?

  2. 2 Jurij 15. Dezember 2008 um 8:15 Uhr

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Da steht nix davon, daß sich die prügelnden – oder besser mit allem werfenden – Dynamos an Frauen und Kindern vergriffen haben. Die Polizei dagegen schon. Einen Absatz weiter steht unmißverständlich und eindeutig geschrieben, was gemeint ist!


    Unschuldig waren die Kinder, Frauen, die zahlreichen, treuen Dynamofans, denen weder von der Polizei, noch von den Naziholls des BFC die Chance gegeben wurde sich aus der Gefahrenzone zu bewegen!

    … und deshalb war beiden Gruppen „die Unversehrtheit von Unbeteiligten, Frauen und Kindern“ buchstäblich egal!

  3. 3 Easyfunk 17. Dezember 2008 um 16:04 Uhr

    Danke für den umsichtigen Artikel. Ich freue mich, dass ich euch über einen Kommentar in meinem Blog gefunden habe. Habe den Feed abonniert und hier öfter mal vorbeischauen.

  4. 4 Jurij 18. Dezember 2008 um 0:03 Uhr

    schon, daß dir der artikel gefallen hat. ich bemühe mich weiter differenziert und kritisch (auch gegenüber den eigenen fans) zu bleiben!

  5. 5 stiffler 21. April 2009 um 19:44 Uhr

    es waren ca. sogenannte „nationale nationalisten“ unter den BFC-Anhängern, die am Vortag in Lichtenberg aufmarschiert sind.

  1. 1 Ultràs Union - Antisemitisch & homophob « Brigata Amaranta Venticinque Aprile Pingback am 12. Januar 2009 um 11:44 Uhr
  2. 2 Berliner Hooligans | Welt Hertha Linke - Hertha BSC Berlin Blog Pingback am 03. Februar 2009 um 15:38 Uhr
  3. 3 Die Wiese ist ein Flughafen und der Zaun muß bleiben « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 23. Juni 2009 um 19:29 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.